Samstag, 1. Mai 2010
Fleischverweigerung: Mein Weg vom Fleischfresser zum Vegetarier
Fleisch gehört für viele Menschen zur täglichen Ernährung dazu. Dies war auch für mich bis vor wenigen Monaten so. Nun bin ich Vegetarier und liebäugle sogar mit der veganen Ernährung, die vollkommen auf tierische Produkte verzichtet. Vor einem Jahr hätte ich mir dies noch nicht vorstellen können. Als ich noch mit einer Veganerin in einer Wohngemeinschaft zusammen lebte hätten unsere Essgewohnheiten kaum unterschiedlicher sein können. Sie Gemüse, ich Fleisch, und das meist ohne Beilagen.
Mein Weg zum Vegetarier hat mehrere Stufen durchlaufen. Das fleischlose Ernährung moralisch richtig sein könnte war schon länger in meinem Kopf. Doch spätestens die Grillsaison sorgte dafür, dass ich diesen Gedanken nicht weiter verfolgte. Auslöser dafür, dass ich mein Verhalten tatsächlich geändert habe war eine banale Dokumentation über die Intelligenz von Schweinen bei National Geographic. Doch wenn Schweine komplexere Probleme Lösen können als mein Hund und manche humanoiden Kollegen, dann kann ich diese doch nicht essen? Schon flog zunächst einmal das Schwein an sich vom Speiseplan. Anschließend taten Dokumentationen über Bedingungen in der Tierhaltung ihr übriges. Insbesonders die kontroverse Dokumentation Earthlings, die ich jedoch nur Charakteren mit sehr starkem Magen empfehlen würde.
Seither stört mich vor allem, wie tierische Produkte vermarktet werden. Es ist ja nicht so, als ob wir heute noch zum Metzger im Ort gehen und Produkte von Tieren von einem lokalen Bauern kaufen der seinen Kühen noch Namen gibt. Das Tier ist zum Massenprodukt geworden, das beim Discounter zu Dumpingpreisen zu haben ist. Es ist schon schlimm genug, dass wir auf diese Weise zeigen den Respekt vor Lebewesen verloren zu haben. Zudem findet jedoch bei den Produkten eine immer weiter fortschreitende Entfremdung statt. Es gibt immer mehr Produkte denen man ihre Herkunft nicht mehr ansieht. Allen voran das Toasty. Quadratisch praktisch gut, für den Toaster. Der Inhalt aus gepresstem, vermutlich günstigem, Fleisch, das noch nicht mal Schnitzel genannt werden darf: "Don't call it Schnitzel". Hinzu kommen weitere Produkte dieser Art wie die Koffein Bifi, der kleine Wachmacher für zwischendurch mit etwas Guarana. Für den Verbraucher ist immer weniger greifbar, dass es sich bei dem Nahrungsmittel mal um ein Lebewesen gehandelt haben könnte. Aus Fleisch wird so ein abstraktes Produkt, wie ein Schokoriegel, über dessen Zutaten sich auch niemand Gedanken macht.
Mir kann auch niemand erzählen, dass es humane Methoden gebe zu schlachten, bei denen das Tier nicht leiden würde. Die USA bekommen es nicht einmal hin bei ihren Hinrichtungen einen qualvollen Tot beim Menschen auszuschließen.Wenn man sich in dieser Weise mit dem Thema beschäftigt hat sind die Fleischberge in Supermärkten kein schöner Anblick.
Mittlerweile verstehe ich meine ehemalige Mitbewohnerin sehr gut und denke darüber nach die Massenhaltung von Tieren durch mein Kaufverhalten generell nicht mehr zu unterstützen. Die Konsequenz wäre sich Vegan zu ernähren. Dies hat leider zur Folge, dass Essen im Restaurant oder kochen mit Freunden in Zukunft noch schwieriger wird als es jetzt schon ist. Auch wenn ich selbst vor einem Jahr noch nicht geglaubt hätte, dass dies einmal nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbar sein könnte.
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